Türkiye Cumhuriyeti

Berlin Büyükelçiliği

Konuşma Metinleri

Buchvorstellung: “Herausforderung und Inspiration. Ernst Reuter als Stadtreformer in der Türkei”, 13.10.2015

Sehr geehrte Bürgermeisterin und Senatorin Frau Dilek Kolat,
sehr verehrter Herr Edzard Reuter, Prof. Herr Schaper und Herr Bienert,
werte Gäste,

zuallererst möchte ich unsere tiefe Trauer aufgrund des Terroranschlags in Ankara zum Ausdruck bringen. Ich wünsche all unseren Bürgern, die bei diesem Angriff auf unsere Demokratie und unsere Einheit ums Leben gekommen sind, Gottes Segen, drücke ihren Angehörigen und unserer Nation mein tiefes Beileid aus und wünsche allen Verletzten eine baldige Genesung.

Aber das Leben geht weiter. Das wichtigste Ziel von Terror ist es, unser Leben aus seiner normalen Bahn zu werfen. Unsere Antwort auf den Terror muss daher sein, unser Leben normal weiterzuführen und an einer positiven Einstellung festzuhalten.

In diesem Sinne, ich freue mich sehr, für die Vorstellung des Buches “Ernst Reuter als Stadtreformer in der Türkei” hier mit Ihnen zusammen zu sein und Sie in unserer Botschaft willkommen zu heißen.

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich und möchte der Ernst Reuter Stiftung, die diese Veranstaltung möglich gemacht hat und allen Mitwirkenden meinen Dank aussprechen.

Unser Botschafter, Herr Hüseyin Avni Karslıoğlu, ist derzeit nicht in Berlin und kann deswegen heute Abend nicht bei uns sein. Ich möchte Ihnen daher auch die Grüße des Herrn Botschafters ausrichten.

Deutsche Wissenschaftler und Künstler, die sogenannten “An den Bosporus Geflüchteten”, die während des zweiten Weltkriegs unser Land als einen sicheren Hafen ansahen, haben zum Aufblühen unseres Landes in den Bereichen der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Kultur und der Kunst beigetragen.

Ernst Reuter, der im Jahre 1935 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in unser Land flüchtete und an die 12 Jahre in der Türkei gelebt hat, kannten die Einwohner Ankaras als den fahrradfahrenden Deutschen mit der blauen Baskenmütze.

Reuter hatte durch seine Anstellung im Verkehrsministerium die Gelegenheit Anatolien von nahem kennenzulernen. Er erlernte rasch die türkische Sprache und erwarb so den Schlüssel, um das türkische Volk zu verstehen. Es ist aber vor allem Reuters Rolle als Akademiker, die in der Türkei Spuren hinterlassen konnte.

Während die Deutschen in Reuter vorwiegend einen Politiker sahen, war er für Anatolien ein Professor. Seine Anstellung als Dozent gab ihm die Möglichkeit, mit jungen Leuten, mit Akademikern und staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten und vielfach zu publizieren. Heute sind viele Menschen in unserem Land darauf stolz, an der Fakultät für Politikwissenschaften der Universität Ankara oder in einem Kurs des Amtsbezirks Reuter zugehört zu haben.

Reuter trug wesentlich dazu bei, dass sich die Urbanistik in der Türkei als ein Wissenschaftszweig etabliert und weiterentwickelt hat. Im Zuge seiner Arbeiten während seines Aufenthalts in der Türkei wurde das „Institut für Besiedlung und Städtebau“ gegründet.

Die Spuren, die Ernst Reuter in unserem Land hinterlassen hat, waren auch eine Inspiration für die Ernst Reuter Initiative, die das Ziel verfolgt, Ideen und Projekte zu unterstützen, die den interkulturellen Dialog zwischen beiden Ländern fördern. Zu den Vorbereitungen der besagten Initiative konnte ich im Rahmen meiner damaligen Tätigkeit einen bescheidenen Beitrag leisten.

Die größte Errungenschaft der Ernst Reuter Initiative ist die Türkisch-Deutsche Universität. Die auf einem Gelände in der Nähe des Bosporus errichtete Türkisch-Deutsche Universität lässt das Andenken an die zum Bosporus geflüchteten deutschen Wissenschaftler auf schönste Weise weiterleben.

Werte Gäste,

Die Türkei und Deutschland haben an die 300 Jahre lang die Geschichte Europas mitgestaltet. Auf diese Weise entstand ein besonderes Beziehungsnetz zwischen der Türkei und Deutschland. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Buch mit dem Titel „Ernst Reuter als Stadtreformer in der Türkei“ als ein schönes Beispiel für unsere besondere Beziehung seinen Platz in den Archiven einnehmen und bezeugen wird, dass unser Land, in dem auch heutzutage Millionen von Menschen Zuflucht finden, auch in der Vergangenheit allen Notleidenden seine Tore öffnete.

Die Türkei, die in den letzten fünf Jahren mehr als zwei Millionen Syrer und Iraker aufgenommen hat, führt diese Tradition fort. Wir würdigen auch die in Europa beispielhafte Großzügigkeit Deutschlands in der Flüchtlingsfrage. Diese beispielhafte humanitäre Verantwortung, die unsere Länder heute mit Stolz teilen, ist eine weitere unserer Gemeinsamkeiten.

Abschließend möchte ich Sie alle nochmals hochachtungsvoll und herzlich begrüßen und Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit danken.