Türkiye Cumhuriyeti

Berlin Büyükelçiliği

Konuşma Metinleri

Rede des Botschafters, S.E. Hüseyin Avni Karslıoğlu, anlässlich der Eröffnung des Zusammenkunft des Wissenschaftsrates der türkischen Gemeinde in Deutschland, 27.01.2012

REDE DES BOTSCHAFTERS DER REPUBLIK TÜRKEI,
S.E. HÜSEYİN AVNİ KARSLIOĞLU,
ANLÄSSLICH DER ERÖFFNUNG DER ZUSAMMENKUNFT DES WISSENSCHAFTSRATES DER TÜRKISCHEN GEMEINDE IN DEUTSCHLAND
(27.01.2012, Freitag)


Sehr verehrte Frau Ministerin,
sehr geehrter Herr Kolat,
werte Mitglieder des Wissenschaftsrates der Türkischen Gemeinde in Deutschland,
sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst einmal möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, anlässlich dieser Zusammenkunft, die nach zwei Jahren wieder vom Wissenschaftsrat der Türkischen Gemeinde in Deutschland veranstaltet wird, zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Es ist mein Wunsch, dass diese Zusammenkunft, von der ich glaube, dass sie der Arbeit des Wissenschaftsrates neue Impulse geben wird, auch einen Beitrag zur Kommunikation zwischen den türkischen und türkischstämmigen Wissenschaftlern leisten wird und Gelegenheit bietet für den Gedankenaustausch, um qualifizierte Arbeiten hervorzubringen.

Werte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

was wir heutzutage vermutlich am dringendsten benötigen, sind Dialog, Toleranz und der Respekt vor der Andersartigkeit. Dazu müssen wir uns das grundlegende Ziel setzen, die Bereiche der Zusammenarbeit so weitgefächert wie möglich zu gestalten. Aus diesem Grund legen wir besonderen Wert darauf, unsere Beziehungen mit Deutschland in den Bereichen Bildung und Wissenschaft weiterzuentwickeln. Ich möchte an dieser Stelle kurz auf die vielfältigen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland in Bezug auf Bildung und Wissenschaft eingehen.

Derzeit studieren 2 Millionen Studenten in Deutschland. Davon sind 250.000 ausländische Studierende, wiederum 10 Prozent (25.000) davon sind türkische Studenten. Es ist anzumerken, dass in diesen 10 Prozent die Zahl der türkischstämmigen deutschen Studenten nicht mit berücksichtig ist. Selbstverständlich ist es im Interesse sowohl der Türkei als auch Deutschlands, dass diese Zahl wächst.

Mithilfe des Goethe-Instituts, des DAAD, der Humboldt-Stiftung und der deutschen Auslandsschulen fördert Deutschland die Verbreitung der deutschen Kultur und Sprache. Und die Türkei ist derzeit dabei, im Ausland die „Yunus Emre-Kulturzentren“ - ähnlich den Goethe-Instituten – einzurichten. Wir beabsichtigen, dieses Projekt in naher Zukunft auch in Deutschland zu realisieren.

Die Türkisch-Deutsche Universität, ein gemeinsames Projekt unserer beiden Außenministerien im Rahmen der Ernst-Reuter-Initiative für Dialog und Verständigung der Kulturen, ist ein umfassendes und konkretes Beispiel unserer Zusammenarbeit im Bildungsbereich. Ich wünsche mir, dass die Türkisch-Deutsche Universität in den kommenden Jahren einen Platz unter den besten Universitäten der Türkei einnehmen wird.

Ein weiteres Beispiel für unsere Zusammenarbeit stellt die Kooperation zwischen der Humboldt-Universität und der Middle East Technical University in Ankara dar. Ich bin davon überzeugt, dass es im Interesse unserer Länder liegt, dass die bestehende Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Hochschulen auch unter anderen Universitäten Nachahmer findet. Die Türkei unterstützt den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen in allen Bereichen.

Eine akademische Zusammenarbeit in Bezug auf Investitionen in das Humankapital wird ein Potenzial an qualifizierten Fachkräften schaffen, von dem sowohl die türkische als auch die deutsche Wirtschaft profitieren können.

Darüber hinaus stellen die Zentren für Islamische Theologie, die an einigen deutschen Universitäten (Münster-Osnabrück, Tübingen, Frankfurt/Gießen und Nürnberg-Erlangen) vor kurzem eingeweiht wurden, ein weiteres Beispiel für die Bildungskooperation dar. Die Einrichtung solcher Zentren in Deutschland ist, wie es Frau Bundesministerin Schavan bei der Einweihung in Tübingen bezeichnete, ein „Meilenstein für die Integration“. Sie werden ebenso dazu dienen, dass die religiöse Vielfalt als Bereicherung und nicht als Bedrohung wahrgenommen wird. Die Türkei wünscht sich, dass die Hochschulen ihre Zusammenarbeit auch im Bereich der islamischen Theologie vertiefen. Ich bin der Meinung, dass eine diesbezügliche Kooperation wesentlich zum Abbau der religiös begründeten Vorurteile und der seit dem 11. September zunehmenden Islamphobie beitragen wird.

Verehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

die vielfältigen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland weisen einen besonderen menschlichen Aspekt auf. Wir sind der Ansicht, dass die fast 3 Millionen Türken und türkischstämmigen Menschen in Deutschland einen großen Beitrag zu den türkisch-deutschen Beziehungen leisten und sie in hohem Maße beeinflussen.

Im Hinblick darauf, dass die Türken, die viel für Deutschland geleistet haben, diese Leistung zum Nutzen beider Länder fortsetzen, ist es von großer Bedeutung, dass sie sich in Deutschland sicher fühlen, nicht das Gefühl haben, diskriminiert zu werden und ihren Glauben an die Chancengleichheit nicht verlieren.

Daher ist es äußerst wichtig, dass die Zuwanderungs- und Integrationsdebatte auf eine konstruktivere und positivere Art fortgeführt wird. Ich bin davon überzeugt, dass hierbei den Wissenschaftlern eine wichtige Rolle zukommt. Unser Standpunkt, dass Integration beidseitig erfolgen sollte, wird durch die Tatsache untermauert, dass bei der fortdauernden Debatte über Zuwanderung und Integration die Meinungen und Beurteilungen türkischer und türkischstämmiger Wissenschaftler mehr Beachtung finden. Und wir stellen mit Freude fest, dass auch die deutsche Seite dies in letzter Zeit verstärkt zum Ausdruck bringt.

Verehrte Frau Ministerin,
Werte Gäste,

an dieser Stelle halte ich es für notwendig, auf die große Bedeutung von Bildung für die Integration hinzuweisen.

Ich bin der Auffassung, dass wir den zahlreichen Problemen und Schwierigkeiten, mit denen die türkische Bevölkerung in Deutschland konfrontiert wird, mir Erfolgen im Bereich der Bildung begegnen können. Aus diesem Grund messen wir der Bildung der in Deutschland lebenden türkischen Bürger großen Wert bei und weisen bei jeder Gelegenheit auf die Bedeutung von Bildung hin.

Das deutsche Bildungssystem jedoch, in dem die Schüler zu früh in verschiedene Gruppen eingeteilt werden und in dem die Sprachkenntnisse entscheidender sind als das Potenzial der Kinder, stellt ein Hindernis dar für einen größeren Erfolg türkischer Schüler in der Bildung. Das bestehende Bildungssystem führt dazu, dass die türkischen Kinder eher der Hauptschule zugewiesen werden als dem Gymnasium, welches ihnen den Zugang zum Hochschulstudium ermöglichen würde. Ich bin der Überzeugung, dass die Zuweisung der Kinder in verschiedene Schulformen zu einem späteren Zeitpunkt die Chancengleichheit verbessern und den Erfolg der Schüler mit Migrationshintergrund erhöhen würde.

Verschiedene Studien zeigen, dass Kinder mit einer vorschulischen Bildung in der späteren Bildungshase erfolgreicher sind. Und wir stellen fest, dass türkische Studenten an deutschen Universitäten aufgrund sprachlicher Hindernisse eher naturwissenschaftliche Studiengänge bevorzugen.

Dass in Zukunft Generationen aufwachsen werden, die die deutsche Sprache beherrschen, wird dazu führen, dass sich unsere Jugendlichen an den Universitäten mehr und mehr auch sozialwissenschaftlichen Studiengängen zuwenden und zunehmend auch im öffentlichen Sektor beschäftigt werden.

Verehrte Ministerin,
Werte Gäste,

ich bin der Überzeugung, dass die Schwierigkeiten im Bereich der Bildung durch eine wohlwollende Haltung und gegenseitige Bemühungen überwunden werden. Dass das „Gesetz zur verbesserten Anerkennung ausländischer Abschlüsse“ am 1. April 2012 in Kraft treten wird, ist einer der positiven Schritte in diesem Bereich. Dadurch wird einerseits der in Deutschland in vielen Wirtschaftssektoren bestehende Mangel an qualifizierten Fachkräften beseitigt. Andererseits wird ein positiver Beitrag zur Integration geleistet, indem vielen Migranten, die aufgrund der nicht-Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse bis jetzt keine qualifizierte Beschäftigung aufnehmen können, diese Möglichkeit geboten wird.

Zudem möchte ich mich für den Beitrag zur Integration des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch seine diversen Projekte bedanken. Ich möchte betonen, dass wir auch bei Projekten, die die deutschen Institutionen und Einrichtungen künftig zur Förderung der Integration entwickeln werden, zusammenarbeiten möchten.

Werte Gäste,

ich bedanke mich nochmals bei allen, die heute hier anwesend sind und mir die Möglichkeit gegeben haben, zu Ihnen zu sprechen. Allen Mitgliedern des Wissenschaftsrates der Türkischen Gemeinde in Deutschland wünsche ich für die Zukunft viel Erfolg.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.